BIENENWERKSTATT

BIENENWERKSTATT

September bis ----> Jahresende

 

Die Wintereinfütterung ist bereits in vollem Gang und jetzt rasch zu beenden. Altvölker haben eine sehr starke Futterabnahme da sie auch über sehr viele Altbienen verfügen. 

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Bei zweizargiger Überwinterung kann man daher auch größere Mengen rasch einfüttern. Es ist Platz genug vorhanden.

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Bei Einzargern ist darauf zu achten das Brutnest nicht einzuengen. Ob Ein-, oder Zweizarger ist Geschmackssache. Wir haben Beides am Stand. Wenn man die Raumgröße der Volksstärke anpasst wird es im Frühjahr kaum Unterschiede geben. 

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Die Meinung, nur stark eingewintert, wintert auch stark aus ist ein Schlagwort welches meist nur unhinterfragt weitergegeben wird – einfach weil es gut klingt und auf den ersten Blick logisch zu sein scheint. Schaut man näher hin gibt es eine Reihe von „Wenn`s“ welche dieses Schlagwort bis in sein Gegenteil verkehren können. 

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Wenn - genug Jungbienen da sind.Wenn - genügend Winterbienen erzeugt wurdenWenn - die Alterszusammensetzung stimmtWenn – die Eilage im richtigen Ausmaß  erhalten wird usw. 

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Die Liste der Wenn`s ist lang und völlig unüberschaubar. Ich möchte auf einen Versuch hinweisen der dieses Jahr durchgeführt wurde.

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Ein Flachwabenableger wurde ausgewintert auf gezählten 300 Bienen. Das ist nicht mehr als eine Hand voll.Ich sagte ausgewintert denn einen Winter übersteht eine Hand voll Bienen natürlich nicht. Der Ableger wurde temperiert bei ca. 9 Grad, verschlossen in einem Glashaus überwintert und erst Ende März frei aufgestellt. Dabei wurde das Wetter im Auge behalten denn starker Nachtfrost durfte natürlich nicht sein. In dem Fall wurde er einfach (verschlossen) wieder in`s Glashaus gestellt. 

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Aber man bedenke, 300 Bienen sind kaum mehr als ein Apidea Kästchen voll. Der Ableger bekam natürlich keinerlei weitere Hilfen da man ja herausfinden wollte wie weit er es im Verlauf des Jahres selbst schafft. 

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Das Völkchen hatte im Frühjahr einen Futtervorrat von 2,5 kg und war in einen 6 Wabenkästchen einlogiert. 

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Die Überraschung: Am 4 Juli bekam dieses Volk die 4. (Flach) Zarge aufgesetzt mit Mittelwänden, nachdem es bis dahin bereits 3 ausgebaut hatte. Die 4. Zarge war ein MUSS weil die Bienen keinen Platz mehr hatten. 

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Dieses Volk war längst reif für die Waldtracht. 

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Diese Versuche sollen fortgesetzt werden – und es könnte leicht sein dass sie die „Schlagwortmeinung“ vom unbedingt nur stark eingewinterten Volk stark erschüttern werden. 

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Ein weiteres Beispiel:  

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Ein bekannter ungarischer Imker, überwintert grundsätzlich nur auf 2 x 6 Flachwaben übereinander. Seitlich wird ein Schied angebracht. 

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Der Betrieb führt ca. 350 Völker und gibt regelmäßig im Frühjahr so um die 100 Völker ab.  

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Von wegen – nur stark eingewintert ............!? 

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Im Jahresverlauf wird alles was über 50qdm Brut und 4kg Bienen hinausgeht abgeschöpft und für Ableger verwendet. 

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Vor der Einwinterung DARF das Volk nicht mehr als EINE Flachzarge Brut anlegen, denn zu starke Völker ergäben nur Probleme im nächsten Jahr mit Schwärmen und würden den Futterverbrauch unnötig erhöhen. 

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Es handelt sich hier um einen Frühtrachtimker, also mit der eindeutigen Absicht zeitig trachtreife Völker zu haben. 

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Meine liebsten Völker seit eh und je waren die Mittelstarken. Sie machen die wenigste Arbeit im nächsten Jahr, sind nicht so schwarmgefährdet wie die „Bomber“, sind Hünglertypen, das heißt sie passen ihre Brutleistung der Tracht an. Sie haben weniger Winterverbrauch und starten im Frühjahr natürlich wetterangepasst aber explosiv. 

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Bereits Guido Sklenar hat vor sogenannten Fleischvölkern gewarnt und sie wegselektiert. So ist er auch auf seine 47er Linie gestoßen und hat in dieser Richtung konsequent weitergearbeitet. 

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Extreme Wanderimker die ihre Völker sehr verschleißen mögen einen anderen Typ bevorzugen, aber sie sind die Ausnahmen und hier spreche ich von Standimkern mit begrenzter Wanderung. Es ist leicht einzusehen dass 2 x 6 Flachwaben übereinander nicht nur übersichtlicher sondern auch ökonomischer überwintert werden können, zumal das Hochformat auch einen leichten Zugang zum Futter gewährleistet. Es kommt bei breiten Formaten nicht selten vor dass die Bienen bei starker Kälte die Waben nicht übersteigen und manche Völker verhungern dann obwohl seitlich noch Futter genug wäre.  

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Ob Großräumiger Brutraum oder Flachzarge wird wohl noch lange die Gemüter erhitzen, aber die Flachzarge ist zweifellos im Vormarsch. 

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Varroabehandlung

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Ebenso zwiespältig sind die Meinungen über die Applikation von AS (Ameisensäure). In Österreich wird meist 85%ige AS verwendet – entweder Stoß -, oder Langzeitbehandlung bzw. von oben oder unten. Das ist auch abhängig vom Beutentyp. Wir geben die AS bei Wirtschaftsvölkern von unten mit dem Schwammtuch und bei den 2 x 6 Wabenablegern von oben. Ebenfalls mit dem Schwammtuch in einer aufgesetzten Leerzarge. Dabei ist das Volumen der Leerzarge mitzurechnen als wären es Waben. 

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Man rechnet 2ml pro Wabe, aber auch das ist ein Wert welcher nicht unumstößlich ist. Es ist die Temperatur mit zu berücksichtigen. Vo unten kann man den Wert ruhig etwas hinaufsetzen, von oben hingegen ist größere Vorsicht geboten. 

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Ideal ist es wenn kurz nach der AS Gabe eine Unruhe entsteht die nicht länger als 10 Minuten anhalten sollte. Ein Aufbrausen des Volkes nach einschieben des Schwammtuches ist vorteilhaft weil es die AS sofort im Stock verteilt. Die Frage ob AS von unten auch wirkt, da sie ja schwerer als Luft ist stellt sich längst nicht mehr da hier die empirischen Erfahrungen bereits Bände füllen würden. 

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Die Anzahl der Behandlungen sollte mit einer Varroakontrolle, entweder in der Stockwindel oder alternativ mit der „Staubzuckermethode“ ermittelt werden. Bei Letzterer wird eine gleichbleibende Menge an Bienen (z.B. Joghurtbecher voll) mit Staubzucker ordentlich durchgeschüttelt und der Zucker gleich danach auf eine saubere Unterlage abgesiebt. 

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Die Varroen verlieren dadurch den Halt auf der Biene und können anschließend ausgezählt werden. Die Bienen gibt man einfach in das entsprechende Volk zurück. 

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Über die spätere Winterbehandlung mit Oxalsäure (z.B. Bienenwohl) bestehen ebenfalls verschiedene Ansichten. Auf jeden Fall hat sie bei Brutlosigkeit zu erfolgen da sie bei verdeckelter Brut wirkungslos ist.  

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Von einer mehr als einmaligen Öxalsäurebehandlung ist auf alle Fälle abzusehen. 

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Aber auch das Öffnen der Völker im Winter hat nicht nur Befürworter. Es ist immerhin ein starker Eingriff ins Volk, welches sich bereits gegen Zugluft verkittet hat. Es ist zumindest strittig ob dies noch als biologisch einwandfrei anzusehen ist. 

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Dennoch soll alternativ zur Oxalsäure noch Tobee brutlos erwähnt werden welches zumindest schneller einzubringen ist, da es nur über den Bienensitz aufgesprüht wird. 

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Wabenmaterial

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Es ist nicht nötig Waben über Winter aufzubewahren. Das gehört der Vergangenheit an. Wabenschränke und Depots für Waben, welche nur schwer von der Wachsmotte freizuhalten sind, sind absolut entbehrlich. 

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Falls man dennoch Waben aufbewahren will haben nur unbebrütete sog. Jungfernwaben die Chance das Frühjahr unbeschadet zu erleben. Ausgenommen in Kühlräumen wie sie in manchen Großbetrieben zum Einsatz kommen. Aber der Klein – und Mittelbetrieb ist besser beraten wenn er jedes Jahr die benötigten Waben neu bauen lässt. Das beugt auch der Faulbrut vor und ist seuchenhygienisch wohl das Vorteilhafteste. 

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Vogelschutzgitter

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Wenn später die Nebel nicht mehr weichen wollen und der Wind bereits nach dem nahenden Winter schmeckt, am Bienenstand Ruhe eingekehrt ist – dann ist es Zeit die Mausschutzgitter vor den Fluglöchern anzubringen und allenfalls auch für einen Vogelschutz zu sorgen.Der Grünspecht, auch Grau -, oder Erdspecht genannt ist nicht überall heimisch aber wo er auftritt vermag er ganze Beuten zu zerhacken. Zumindest schädigt er aber die jetzt ruhebedürftigen Bienenvölker oft bis zu deren Tod. 

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Der Buntspecht ist nach allgemeinen Aussagen harmlos, da er sich fast nie in Bodennähe aufhält. Er bewohnt sozusagen ein anderes, höheres Habitat.  

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Der nur selten auftretende Schwarzspecht ist aber ebenfalls eine Gefährdung für die Völker. 

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Auch die netten Meisen, besonders die frechen Kohlmeisen lernen an manchen Orten den Trick solange am Flugloch zu klopfen bis einige Bienen nachschauen kommen. Die schnappen sie dann weg. Obwohl diese paar Bienen wohl verschmerzbar wären ist aber die dadurch erzeugte permanente Störung eine echte Gefährdung. 

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Hier sind Vogelnetze, oder Hasengitter unverzichtbar um den Bienen die nötige Ruhe zu ermöglichen. 

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Noch ein Wort zu den gefürchteten Spitzmäusen. In Wirklichkeit sind die wesentlich harmloser als die Feldmäuse. Sie können sich oft noch durch 7mm enge Fluglöcher zwängen und sind als Insektenfresser am Bienentotenfall interessiert. Kommen sie nur mit aller Gewalt durch ein niederes Flugloch passiert es nicht selten, dass sie anschließend vollgefressen nicht mehr hinaus können. Wir haben sie also selbst wie in einer Falle gefangen. Statt sie am eindringen zu hindern, verwehren wir ihnen den Ausgang. Jetzt werden sie zur Belästigung für die Bienen da sie auf der Suche nach einem Ausgang herumrumoren. Dadurch fallen natürlich weitere „frische“ Bienen aus der Wintertraube und irgendwann kapieren diese kleinen Dinger dass es sich eigentlich hier recht gut wohnen lässt. 

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Ist das Flugloch aber groß genug um die kleinen Spitzmäuse rein und vollgefressen auch wieder raus zu lassen, machen sie wenig Lärm, schlagen sich am Totenfall den Bauch voll und verschwinden wieder. 

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Anders die Feldmaus. Sie richtet sich im Stock nämlich ihr Nest ein. Zernagt die Waben und schleppt solche Mengen an Baumaterial in das Volk dass bereits Völker am Sauerstoffmangel zugrunde gegangen sind. Ein Mausschutzgitter mit einer Maschenweite von ca. 10 – 13 mm hält die Feldmaus fern und ist für die Spitzmaus kein Hindernis. 

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Schnee und Eis

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Der allerbeste Schutz für Bienen im Winter ist eine möglichst dicke Decke aus lockerem Pulverschnee. Je dicker desto besser. Vogelschutz ist hier unnötig, aber Mausschutzgitter sind dennoch notwendig. 

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Unter einer dicken Schneedecke herrscht absolute Stille und der Schnee lässt auch genügend Luft durch. Bei vollen Böden ohne Gitter ist allerdings darauf zu achten dass die Fluglöcher nicht vereisen. Bei Gitterböden ist auch das vernachlässigbar.Wenn wir uns nun langsam zurückziehen in die warme Stube mit dem Bewusstsein für unsere Bienen das Bestmögliche getan zu haben, wenn draußen das Wetter seinen jahreszeitlichen Verlauf nimmt – haben wir Zeit, das Jahr in Gedanken durchzugehen – seine Besonderheiten, die kleinen oder auch nicht so kleinen Erlebnisse in dem Wissen: „Kein Jahr gleicht dem Anderen, jedes Jahr ist anders.“ 

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Und so werden wir nachdenken und die Verhaltensweisen und Biologie unserer Bienen weiter studieren. Wir werden unsere Erlebnisse erzählen und persönliche Erfahrungen austauschen. Wir werden die Natur der Bienen weiter erforschen und damit auch unsere Eigene die wir freiwillig miteinander verbunden haben. 

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Damit verabschiede ich mich aus den Monatsbetrachtungen – bis vielleicht nächstes Jahr mit einigen Ergänzungen, denn Veränderung ist die einzige Konstante. 

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Heinz Strohmer