So schön es auch ist, die Monate so einzeln und säuberlich „abgepackt“ zu servieren – muss aber auch klar sein, jedes Jahr hat seinen eigenen Rythmus und die Übergänge sind nicht nur fließend, sondern können sich auch zeitlich verschieben.
Dieser Monat hat aber eine Besonderheit - nämlich die Sommersonnenwende.
Während unsere Sinne sich auf den Sommer einstimmen. Die Zeit der Ferien und Urlaube, fernab allem Winterunbill und wo wir den warmen Zeiten erst entgegen zu eilen scheinen, stellt sich leise und unseren Sinnen völlig verborgen, die Natur bereits um.
Mit den Feuern der Sonnenwende eilen wir förmlich berauscht von Wohlgefühl und sinnlicher Freude in schattige Schanigärten und Eissalons. Diesen Sommer werden wir auskosten und er hat ja erst begonnen. Es ist als wollten wir die Zeit stillstehen lassen und in so mancher flirrender Mittagshitze halten wir Siesta wie in südlichen Gefielden.
Urlaub, Freizeit, die Seele baumeln lassen, all das erfüllt uns mit einem Gefühl der Zeitlosigkeit. Wir haben die längsten Tage und die kürzesten Nächte, wir sitzen spätabends bei Eiskaffee und genießen die langsam untergehende Sonne während der warme Wind noch nicht einmal den Schweiß auf unserer Haut zu trocknen vermag.
Wie schön kann doch das Leben sein. Unsere Gefühle sind am Zenith wie die Sonne selbst. Wir haben alle Zeit der Welt. Wer einen Ball in die Höhe wirft erlebt wie der einem kurzen Moment stillzustehen scheint bevor er wieder herunterfällt. Diesen Moment des Stillstehens wollen wir in die Unendlichkeit hinein verlängern. Die Sonnwendfeuer wollen uns in den Rausch dieses Moments eintauchen lassen. In den ja erst kommenden Sommer.
Aber von diesem Moment an werden die Tage bereits kürzer. Für uns unmerklich, aber vielleicht auch nur weil wir da ein Gefühl der Freiheit erleben und das wollen wir nicht missen.
Warum ich das erzähle?
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Einfach deshalb weil uns der Sommer bei unseren Bienen hier sehr leicht überraschen kann.
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Genauso wie uns das Frühjahr überrascht. Erinnern wir uns. Die „heiße Zeit“ bei den Bienen, also deren rasante Aufwärtsentwicklung dauert ja gerade mal rund 8 Wochen. Wer sich mit seinen Vorbereitungen Zeit gelassen hat, bestellt dann einen Schwarmkasten wenn der Schwarm am Baum hängt und ist böse wenn die alle ausverkauft sind.
Dasselbe kann uns jetzt auch passieren wenn wir denken der Sommer hat ja erst begonnen. Völker die bis jetzt nicht geschwärmt haben stehen im Maximum ihrer Volksstärke.
Die Varroa auch.
Für die Bienen bedeutet die Sommer Sonnenwende eine Triebumkehr. War ihr Trieb bisher auf Expansion ausgerichtet, so wird er jetzt zunehmend von Auslese, Erhaltung und Überleben bestimmt werden.
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Die Wende in der Natur.
Es scheint als wäre das ein Fixtermin der wenig Spielraum zulässt.
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Aber soweit sind wir bei Monatsbeginn noch nicht.
Anfang Juni ist der Schwung der Völker noch ungebremst hoch. Sichtbar an der Baulust. Die wird jetzt aber bis zur Sonnenwende stark abnehmen. Das betrifft natürlich nur die Altvölker. Schwärme und Ableger bilden da eine Ausnahme, da sie einen eigenen Rhythmus haben, abhängig vom Zeitpunkt ihrer Entstehung.
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Gegen Ende Mai schon hat in Frühtrachtgebieten die Schleuder Arbeit bekommen und im Juni setzt sich das fort.
Bei Massentrachten werden oft die Waben nicht gleich voll verdeckelt und so müssen wir auf die altbewährte Spritzprobe zurückgreifen. Das heißt, wenn wir die Honigwabe kräftig abstoßen, darf kein Honig herausspritzen. Dann können wir davon ausgehen dass er reif ist. Auch hier zeigt sich die Überlegenheit einer Flachzarge. Sie ist viel schneller verdeckelt weil sie ja in flacheren und somit besser verdeckelten Einheiten abgenommen werden kann. Auch bei kleinen Trachten ist sie überlegen wenn man Sortenhonig gewinnen will.
verdeckelte Flachwaben
Zum Abkehren der Bienen ist eine (batteriebetriebene) Abkehrmaschine wirklich ein Segen. Es geht nicht nur schneller sondern hält auch Suchbienen länger fern. In trachtarmen Zeiten ist Schnelligkeit ohnehin angesagt und auch für den Imker angenehm. Da die Bienen hier ja in eine Lade gefegt werden kann man im gleichen Arbeitsgang Kunstschwärme erstellen. Man schüttet die Bienen eben nicht mehr zurück ins Volk, sondern gleich in einen Schwarmkasten oder direkt in den Ablegerkasten. Es ist nur EIN Arbeitsgang.
Bienen Abkehrgerät
Auch Begattungskästchen für Standaufstellung, deren Bienen ja nicht gesiebt werden müssen, können da so nebenbei gefüllt werden.
frisch gefülltes Einwabenkästchen (EWK)
Ich verwende eine 7 teilige Selbstwendeschleuder die pro Korb 2 Flachwaben fasst. So kann ich bei größeren Trachten 14 Waben in einem Durchgang ausschleudern.
7 teilige Selbstwendeschleuder, für 7 Zander -, oder 14 Flachwaben
Der Honig wird direkt unter der Schleuder über ein Grobsieb geleitet und kommt danach in das Lunzer Honigsieb. Das ist ein Abfülltopf mit 2 Siebeinsätzen und einem zweiten höherliegenden Ablasshahn. Dadurch driftet der Honig seitlich durch die Siebe. Sie verlegen sich auf diese Art nicht so schnell als wenn der untere Auslaufhahn benutzt würde. Den nimmt man nur bei vollständiger Entleerung des Gefäßes.
Für kleine Sortenchargen haben sich auch die relativ jungen Nylon Doppelsiebe als sehr praktisch erwiesen. Sie sind leicht zu reinigen und erlauben einen raschen Wechsel von einer Sorte zur Anderen.
Der meistens unterschätzte Vorteil von kleinen Imkerein liegt ja gerade in der möglichen Geschmacksvielfalt. Die klassischen Standardsorten wie Raps, Akazie, Sonnenblume usw. werden auch von Großbetrieben bedient, aber z.B. Sommerhonige die regional sehr verschieden ausfallen können, werden in größeren Betrieben immer in einen Topf geworfen.
Für solche Regionalsorten besteht ein wachsender Liebhaberkreis. Voraussetzung dafür sind kleine Abfülleinheiten. Kleine Betriebe werden den Honig eben nicht in Edelstahltanks pumpen die Hunderte oder Tausende Liter fassen und den Honig zu einem Einheitsprodukt standardisieren.
Stattdessen werden hier z.B. 20 kg lebensmittelechte Honigeimer verwendet. So kann auch ein Standimker verschiedene Sorten gewinnen und auch Diese noch in unterschiedliche Geschmacksrichtungen unterteilen. Es ist nicht dasselbe ob in einem Sommerhonig z.B. der Götterbaum (Ailanthus) vertreten ist oder nicht. Ob in manchen Jahren der Efeu und die Veitchii stark beflogen werden was nicht immer im gleichen Ausmaß der Fall ist.
Pflanzenvielfalt ist ein biologisches Attribut welches nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Es dient nicht nur der Bienengesundheit sondern ist auch gut absetzbar.
Akazienhonig (Robinie) ist sicher eine Standardsorte die ihren Freundeskreis hat, aber ein Frühlingsblütenhonig mit hohem Akazienanteil bietet zusätzlich noch eine wertvolle Bereicherung in der gleichen Richtung. Man sollte das nicht zusammenmischen.
In Frühlingsblütenhonigen dominiert vielfach die Akazie. Aber ob die nächst häufige Pflanzenart darin die Rosskastanie, oder der Ahorn ist – das macht einen Unterschied. Einen Unterschied den man schmeckt und den der Kunde honoriert wenn er darauf aufmerksam gemacht wird.
Es geht nicht immer nur um die Menge, sondern um die Feinheiten. Feinheiten über die man mit dem Kunden sprechen kann und die er als „Supermarktkäufer“ noch nie gehört hat und dort auch nie hören wird.
In vielen Gegenden wird jetzt wohl die Linde die Haupttracht sein oder auch der Wald. Ist die Waldtracht ergiebig fordert das die Völker sehr und es ist ratsam rechtzeitig genügend junge unverbrauchte Ableger zu erstellen die jetzt noch leicht zu haben sind. Brutwaben, deren Bienen für die Tracht zu spät kämen können für Ableger genutzt werden wenn man rechtzeitig eine Zuchtserie angelegt hat. Dann stehen in diesem Monat ausreichend Königinnen zur Verfügung. Hat man das versäumt ist gerade noch Zeit das nachzuholen.
Ableger nach der Sonnenwende werden besser aus Kunstschwärmen erstellt, auf Mittelwände oder junge ausgeschleuderte Waben eingeschlagen und ebenfalls mit einer begatteten Königin beweiselt.
Aber man sollte nicht Mittelwände und ausgebaute Waben mischen.
Entweder / oder !
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Da diese Ableger ja für die Tracht nicht in Frage kommen können sie auch Varroa behandelt werden. Ungeachtet des gewählten Varroamittels ist aber darauf zu achten dass die Königin gut im Volk integriert ist. Das bedeutet ausgedehnte Brutflächen. Königinnenverluste treten meist dann auf wenn die Königin erst vor Kurzem zugesetzt wurde und noch nicht „in Fahrt“ ist.
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Starke Völker wollen starke Königinnen. Deshalb würde ich auch eine Königin die einen langen Postweg hinter sich hat nicht in ein Vollvolk einweiseln. Solche Königinnen brauchen nach der Legeunterbrechung oft einige Zeit um wieder in Schwung zu kommen. Ein Zeit, die ein starkes Volk nicht tolerieren würde. Es weiselt um.
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Müssen die Ableger gefüttert werden? Auf diese Frage gibt es meist unterschiedliche Antworten, aber es ist eigentlich einfach.
Ableger brauchen einen stetigen Eintrag.
Hat der Ableger genügen Flugbienen und herrscht gute Tracht ist das überflüssig. Solange die Futterkränze stetig wachsen ist alles in Ordnung.
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Stark gebildete Ableger entwickeln sich z.B. bei guter Lindentracht ganz von selbst zu schönen überwinterungsfähigen Völkern. Wir können den Bienen ruhig auch etwas zutrauen. Nur wer Schwächlinge erstellt hat, muss ständig daran herumdoktern.
Im Juni können wir auch beobachten dass Drohnenwaben nicht mehr nachbestiftet werden. Dann können wir sie herausnehmen und einschmelzen. Es gibt jetzt reichlich Drohnen aller Altersgruppen und viele Völker lagern jetzt auch hier Honig ein.
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Bei Spätzuchten, also bereits in diesem Monat wird es oft schwierig geeigneten Zuchtstoff zu finden. Die Eilage ist meist stark eingeschränkt und Larven im richtigen Alter zu finden ist besonders dann ein Glücksspiel wenn man auf einen genauen Termin hin umlarven will.
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Daher ist es sinnvoll, ausgewählte Zuchtköniginnen in schwächeren Volkseinheiten zu halten, da hier der Rückgang der Eilage nicht so ausgeprägt ist. Sie ist etwas gleichmäßiger. Auch zeigt sich hier dir Überlegenheit der Umlarvens, da man ja gerade mal eine handtellergroße Fläche von Larven im richtigen Alter braucht um mehrere Zuchtrahmen damit zu versorgen.
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Der Juni wird meistens der Hauptmonat für die Bildung von Ablegern sein, einfach weil jetzt bereits genügend neue Königinnen zur Verfügung stehen. Es ist wenig sinnvoll Brutablegern noch zusätzlich Mittelwände zu geben. Sie werden nur zögernd ausgebaut und blockieren die zügige Entwicklung. Ausgeschleuderte Waben werden hingegen in einem atemberaubenden Tempo bestiftet. Hier kann man auch am besten die Qualität der Königin erkennen. Die Anlage und Geschlossenheit des Brutnestes ist die beste Visitenkarte die eine nulljährige Königin zeigen kann.
Hat man die Absicht Königinnen im Apidea Kästchen, als Reserve zu überwintern, sollte man bereits jetzt die Aufsätze ausbauen lassen. Man kann die Königin dennoch entnehmen und wieder eine neue Weiselzelle einsetzen, aber das Kästchen selbst sollte langsam die Gestalt der Überwinterungseinheit annehmen. Das heißt, bei freier Aufstellung, mindestens 10 besser 15 ausgebaute Waben mit entsprechenden Futterkränzen.
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Bedenken wir: „Abgesehen vom Kunstschwarm ist mit einer guten Bautätigkeit nach der Sonnenwende nicht mehr zu rechnen. Da die Winterverluste außerdem generell höher sind als vor dem Auftreten der Varroa, lohnt es sich die Anzahl der Ableger höher anzusetzen.
Es ist allemal besser als die Völker im Winter zu Tode zu behandeln.
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Ausserdem gibt es für mich nur Wenig was schöner wäre als ein Ableger der nur so vor Kraft strotzt. Und im nächsten Jahr werden es diese Ableger sein die den Namen „Rennpferde am Stand“ verdienen werden.
Und damit verabschiede ich mich wieder
bis zum nächsten Monat
Heinz Strohmer
(Bienenwerkstatt)
